De Runde
Im Moorgebiet von Südost‑Drenthe lagen ursprünglich zwei Seen: das Kleine und das Große Swarte Meer. Auf älteren Karten wird jedoch meist nur das Große Swarte Meer verzeichnet und schlicht als „das Swarte Meer“ bezeichnet.
Etwa fünfhundert Jahre vor Christus, nach bereits mehreren Jahrtausenden der Hochmoorentwicklung seit der letzten Eiszeit, führte eine warme Klimaperiode zu besonders hohen Niederschlagsmengen und zu einem starken Wachstum von Torfmoosen im südostdrenthischen Teil des Bourtanger Moores.
Der Wasserspiegel des Swarte Meeres stieg so stark an, dass das Moorbecken schließlich bis zum Rand gefüllt war und an der schwächsten Uferstelle durchbrach. Das Wasser ließ sich nicht mehr aufhalten und strömte mit großer Wucht nach Norden durch die Moorgebiete, wobei es seinen Weg bis zur Ruiten Aa bei Ter Apel fand. Da der Abfluss durch das Hunzetal blockiert war, suchte sich das Wasser weiter östlich, entlang der Berkenrode, einen neuen Lauf. Solche Moorausbrüche (auf Deutsch Moorausbruch genannt) entstehen, wenn das Moor schlagartig das angesammelte Wasser freigibt. In diesem Fall führte dies zur Entstehung des Moorbaches Runde, der zwischen der Ems in Deutschland (östlich) und dem ursprünglichen Urstromtal der Hunze (westlich) verlief.
Ursprünglich trug dieser Moorbach den Namen „Aa“, wie auch in alten Schriftquellen vermerkt ist. Später wurde er auf Karten als Rondiep oder Rundiep bezeichnet. Frühere Generationen nannten ihn Runne, während die Menschen im Emsland vom Rönne sprachen. Schließlich setzte sich der Name „die Runde“ durch.
Um 1860 wurden die südlichen Ufer der Runde bei Zwartemeer und Barger‑Compascuum von deutschen Buchweizenbauern besiedelt. Auch an den nördlichen Ufern bei Emmer‑Compascuum ließen sich deutsche Buchweizenbauern nieder. Diese Region wurde Emmerrunde genannt. Südlich von Ter Apel siedelten sich bereits um 1850 deutsche Familien an; die Männer arbeiteten als Kanalarbeiter. Das Wasser der Runde färbte sich hier braun, da eisenhaltiges Grundwasser an die Oberfläche trat. Der eisenhaltige Boden („Orre“) wurde abgetragen und von der deutschen Eisenindustrie genutzt.
Die Ufer der Runde im Nordosten des Sanddorfes Roswinkel waren jedoch schon zwischen 1820 und 1850 bewohnt. Es handelte sich überwiegend um sogenannte „Hannoveraner“ aus Rütenbrock, Schwartenberg und Lindloh, die auf der Suche nach ungenutztem Moorland waren, um dort Buchweizen anzubauen. Aus großer Armut heraus ließen sie sich jenseits der Grenze an der Moersloot nieder und gründeten das Dorf De Maten. Im Sommer, wenn an den Ufern der Runde saftiges, grünes Gras wuchs, weidete dort Vieh. Dieses Gras war für die Futtervielfalt der Tiere unverzichtbar. Daher reichten die Ackerflächen der Bauern bis an die Runde heran, während das Vieh auf dem Münsterscheveld graste.
Die Runde verlief einst quer durch die Moor‑Kolonie Emmer‑Compascuum, wurde dort jedoch später zugeschüttet, als die Entwässerung über diesen Moorbach nicht mehr erforderlich war. Erst in den Jahren 2017–2018 wurde die Runde wiederhergestellt. Zur Verbesserung der wasserwirtschaftlichen Verhältnisse – insbesondere zur Förderung der Moorbildung im Hochmoorgebiet Bargerveen – wurde nördlich des Naturschutzgebietes intensiv genutztes Ackerland abgetragen. An ungefähr der ursprünglichen Stelle entstand so das „neue“ Swarte Meer. Überschüssiges Regenwasser wird von dessen Nordseite über die neu angelegte Runde abgeleitet.
Die Runde besitzt heute einen hohen kulturhistorischen und landschaftlichen Wert. Sie mäandriert als „grün‑blauer“ Bach vom Natura‑2000‑Gebiet Bargerveen in Richtung Ter Apel, durch die Orte Zwartemeer, Barger‑Compascuum, Emmer‑Compascuum und De Maten, und mündet schließlich wieder in den Dollart – so, wie es früher auf natürliche Weise geschah.