Im Hochmoorgebiet von Südost-Drenthe lagen ursprünglich zwei Seen: das kleine und das große Zwarte Meer. Auf älteren Karten wird allerdings meist nur das große Zwarte Meer als „Zwarte Meer“ bezeichnet.
Um 1860 entstand in sicherem Abstand zu den Ufern des etwa 110 Hektar großen Zwarte Meer die erste Besiedlung durch Buchweizenbauern aus Deutschland. Die Entfernung war notwendig, da das Zwarte Meer je nach Jahreszeit über seine Ufer trat und dann wieder schnell auf seine ursprüngliche Größe schrumpfte. Das Moorgebiet bestand jedoch nicht nur aus dem See, sondern auch aus vielen zugewachsenen Tüllen und Tümpeln, die ein gefährliches Terrain darstellten. Man musste genau wählen, wo man siedelte.
So entstand das Dorf Zwartemeer. 1873 wurde die Erlaubnis für einen eigenen Pfarrer in Barger-Compascuum erteilt. Der erste „Pastoor im Moor“ war Theodorus van Klaver, geboren in Irnsum, Friesland. Vor seiner Zeit in Drenthe war van Klaver Kaplan in Klein Meers, Limburg. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit war er auch Torfbauer und erwarb mehrere Moorgrundstücke am Zwarte Meer.
Seine Predigten hielt van Klaver zunächst in der mit einem Strohdach bedeckten Scheune des Wirts Jan Berend Wilken. Am 20. April 1873 feierte er dort seine erste Messe. Gleichzeitig begann man mit dem Bau einer Holzkapelle mit Pfarrhaus (der St.-Josef-Kirche), die bis 1923 genutzt wurde. Die Dorfbewohner von Zwartemeer besuchten jedoch auch die Kirche in Barger-Compascuum. In feuchten Perioden waren die Wege jedoch nahezu unpassierbar. Van Klaver besuchte dann selbst die entfernt lebenden Gemeindemitglieder, um die Seelsorge sicherzustellen – getreu nach „wenn der Berg nicht zu Moses kommt, kommt Moses zum Berg“.
1875 ließ der Pfarrer an der Südküste des Zwarte Meer eine Pfarrhof-Bauernstelle errichten. Dort konnte er in regelmäßigen Abstanden seine Predigten halten. Die Anlage lag inmitten der öden Moorlandschaft Südost-Drenthes und war mit einer großen Kupfer-Wetterfahne auf dem Dach versehen, die die Inschrift „Modo udum, Modo sudum“ trug („mal nass, mal trocken“) – eine treffende Beschreibung des wechselhaften Gebiets.
Pastoor van Klaver, ein markanter Seelsorger, liebte auch die Entenjagd, die im Gebiet rund um das Zwarte Meer ideale Bedingungen fand. Häufig begleitete ihn sein Kollege Geerdes aus Erica, der ebenfalls Pfarrer und Torfbauer war.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trocknete das Zwarte Meer durch Torfabbau und die Anlage neuer Wasserwege wie der Verlengde Hoogeveensche Vaart aus. Vom einstigen See ist nichts mehr übrig geblieben. Das Gebiet, auf dem er lag, umfasst heute etwa das Areal zwischen der Eemslandweg, der Kamerlingwijk und den Panden/Meerwijk. Hier stehen nun Häuser und verlaufen Straßen. Lediglich der Ortsname „Zwartemeer“ erinnert noch an den großen See.
Auf Initiative der Provinz Drenthe wurde bei Zwartemeer ein 65 Hektar großes Grundstück neu gestaltet, um das Zwarte Meer wiederherzustellen. Es ist heute Teil eines Wasserrings um das Hochmoor- und Natura-2000-Gebiet Bargerveen. Das neue Zwarte Meer orientiert sich, wo möglich, an den historischen Formen des ehemaligen Sees und besteht aus einer kleineren und einer größeren Wasserfläche. An der Nordwestküste wurde zudem an der ursprünglichen Stelle eine Nachbildung des Pfarrhofs von Klaver errichtet. Diese dient heute als Aussichtsturm für Besucher – mit einer großen Kupfer-Wetterfahne und der Inschrift „Modo udum, Modo sudum“.