EMM039 - Luchtwachttoren Post 7Z3, Schoonebeek

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7761 AA Schoonebeek

Naturpark Moor/Veenland Naturpark

Erbe aus dem Kalten Krieg

Um in den 1950er‑Jahren feindliche Flugzeuge zu erkennen, die unterhalb der damaligen Radarreichweite von etwa 900 Metern flogen, wurden in den gesamten Niederlanden 276 hohe Beobachtungsposten durch das Korps Luchtwachtdienst (KLD) errichtet. Das KLD war Teil des Luftverteidigungskommandos der Königlichen Niederländischen Luftwaffe. Alle Beobachtungsposten entstanden zwischen 1951 und 1955 und bildeten ein landesweites Netzwerk. Etwa die Hälfte wurde auf bestehenden Gebäuden errichtet, die andere Hälfte bestand aus eigens gebauten offenen Türmen aus Beton und vorgefertigten Elementen im sogenannten Waben‑ (Raatbouw‑)System. Der Entwurf der Türme stammte von dem Architekten Marten Zwaagstra im Auftrag des Kriegsministeriums; die Wabenelemente wurden von der Firma N.V. Schokbeton geliefert. So entstanden die charakteristischen Türme, die bis heute das Landschaftsbild prägen.
Auf der 3 × 3 Meter großen Plattform an der Spitze des Turms hielten jeweils zwei (freiwillige) Luftwächter mit Ferngläsern Ausschau nach Flugzeugen. Mithilfe eines Luftwachtsinstruments bestimmten sie Richtung und Entfernung der gesichteten Maschinen. Die Luftwächter waren speziell darin geschult, eigene und feindliche Flugzeuge anhand ihrer Silhouette und ihres Motorengeräuschs zu unterscheiden.
Sichtungen wurden telefonisch an das Luftwachzentrum einer der acht Luftwachregionen gemeldet, die wiederum mit dem Sector Operations Centre in Driebergen – dem landesweiten militärischen Hauptquartier der Luftverteidigung – verbunden waren. Dort entschied die Einsatzleitung über den Einsatz von Jagdflugzeugen und Flugabwehrartillerie. Das Luftwachzentrum koordinierte zudem den Zivilschutz („Bescherming Bevolking“), um die Bevölkerung im Falle eines Angriffs zu warnen und in Sicherheit zu bringen. Glücklicherweise kam es nie zu einem solchen Einsatz.
Mit der zunehmenden Geschwindigkeit der Flugzeuge und der rasanten Verbesserung der Radartechnik verlor die visuelle Erfassung tief fliegender Maschinen schnell an Bedeutung. Zudem wurde der Schutz des Luftraums zunehmend international organisiert und später in die NATO‑Luftverteidigung integriert. 1968 endete schließlich die Flugzeugbeobachtung mit „Auge und Ohr“.
Von den ursprünglich 276 Beobachtungsposten sind in den Niederlanden nur noch 16 vollständige Wabenbautürme erhalten. Darüber hinaus existieren noch zwei Backsteintürme und drei halbe Wabenbautürme. Sämtliche Beobachtungsposten auf bestehenden Gebäuden wurden abgerissen.
Der Luftwachtturm des Postens 7Z3 wurde nach seiner Stilllegung von der örtlichen Vogelwacht genutzt. 1998 ging das Grundstück – und damit auch der Turm – in den Besitz der NAM über, doch seit 2002 ist die Stiftung Cold War Historical Center in Uithuizen Eigentümerin des Turms. Ihr Ziel ist es, den Turm für kommende Generationen zu bewahren. Aufgrund mangelhafter Instandhaltung wurde 2009 Betonschädigung festgestellt, woraufhin der Zugang zum Turm aus Sicherheitsgründen abgesperrt wurde.
Dieser Turm bildete gemeinsam mit dem Luftwachtturm in Zwartemeer und dem Luftwachposten in Emmen einen Beobachtungskreis. Die Meldungen gingen an das Luftwachzentrum in Groningen. Der Turm in Zwartemeer und der Posten in Emmen existieren heute nicht mehr.
Ursprünglich stand der Turm zwischen zahlreichen Pappeln, die im Laufe der Zeit so hoch wuchsen, dass der Turm nahezu vollständig darin verborgen war. Die Provinz Drenthe stellte den Turm unter Denkmalschutz als Provinzialdenkmal. Infolgedessen wurde der Turm 2019 vollständig restauriert und die umstehenden Bäume wurden gefällt. Nach der Restaurierung wurde der Turm von der Stiftung Drents Monument an Het Drents Landschap übergeben.
Der unmittelbar neben dem Turm verlaufende Bach, das Schoonebeekerdiep, bildet die Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland.
Bedeutung von Post 7Z3 für die Provinz Drenthe
(nach der Auflistung von provincialemonumentendrenthe.nl):
  • kulturhistorischer Wert für die Militärgeschichte der Niederlande während des Kalten Krieges sowie als industrielles Erbe in Drenthe
  • architekturhistorischer Wert aufgrund der ästhetischen Qualitäten der funktionalen Wabenbauweise und der Konstruktion aus vorgefertigten, bewehrten Bauelementen
  • Ensemblewert als Teil eines landesweiten Netzes von Luftwachposten sowie in besonderer Beziehung zur einzigen weiteren erhaltenen Anlage in Drenthe (Echten) und zum eigens angelegten Camouflage‑Grün der Umgebung
  • hohe strukturelle Authentizität des Luftwachpostens
  • Seltenheitswert: Von den ursprünglich 276 Posten sind nur noch 18 erhalten (letzte Zählung 1997), davon lediglich zwei in Drenthe
 

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