EMM044 - Bakhuisjes

icon-pin
7761 PS Schoonebeek

Naturpark Naturpark Moor/Veenland

Bakhuisjes (Backhäuschen)

Früher waren die meisten Bauernhöfe Selbstversorger. So wurde auch das Brot von der Bäuerin selbst gebacken. Da die Bauernhöfe meist in Holzskelettbauweise errichtet und mit einem Reetdach versehen waren, war ein Ofen im Haus recht gefährlich. Die Brandbekämpfung war damals noch wenig entwickelt, und das Löschen erfolgte in mühsamer Handarbeit – mit Eimern Wasser aus einem Brunnen oder Graben. 

Kleinere Bauernhöfe besaßen einen einfachen freistehenden Ofen mit einem kleinen Dach darüber. Größere Höfe verfügten über ein eigenes Backhaus, vollständig ausgestattet mit Arbeitsraum, Rijskast und Deegtrog. 

Die Drenther Bauernhöfe hatten eigentlich alle ein kleines „Backhäuschen“ draußen stehen. Es waren schlichte Bauten, bestehend aus einem gemauerten Kuppelofen mit einer kleinen Ziegelfassade, in der sich eine hölzerne oder eiserne Ofentür befand. Der Ofen war mit einer Lehmschicht überzogen, darüber lagen Grassoden. Die Grassoden schützten den Lehm vor Witterungseinflüssen, während der Lehm dafür sorgte, dass der Ofen lange warm blieb und gut isoliert war. Unterhalb des Ofens befand sich ein Raum, in dem Reisigbündel gelagert werden konnten. Der Rauch entwich durch die offene Ofentür, weshalb die Öfen meist unter einem kleinen Dach oder einer Arbeitsschauer errichtet wurden. Diese stand auf einer leichten Holzkonstruktion mit Dachgebälk, auf dem Dachziegel lagen. 

Jeden Morgen wurde der Ofen von der Bäuerin angeheizt – je nach Größe mit vier bis acht Reisigbündeln – bis Boden und Ofenkuppel weißglühend waren (200–250 Grad). Danach wurde das Feuer entfernt, und der Ofen wurde mit einem nassen Wischlappen gereinigt. Die bereits gekneteten und gegangenen Brote wurden mit einem Schieter in den Ofen geschoben und gebacken. Der Backvorgang dauerte etwa 45 Minuten. 

Doch woher wussten die Bäuerinnen, wie heiß der Ofen war? Damals gab es weder Backthermometer noch Temperaturregler. Dafür hatten sie ihre eigenen Kniffe: Die eine steckte eine Ähre ins Brot – wurde sie schwarz, war der Ofen zu heiß. Eine andere bestreute den Ofenboden mit etwas Mehl – wurde es schwarz, war der Ofen zu heiß; blieb es weiß, war er noch nicht heiß genug. Eine weitere Methode war, ein Stück Papier in den Ofen zu halten: fing es sofort Feuer, war die Hitze zu stark. Manche Bäuerin spuckte in den Ofen – verdampfte der Tropfen in der Luft, war er zu heiß; erreichte er den Boden, war der Ofen noch zu kalt. 

Heute kann man sein Brot ganz einfach selbst in einer Brotbackmaschine oder im eingebauten Ofen der Küche backen. Die Temperatur erscheint bequem im digitalen Display, und wenn das Brot fertig ist, piept die Maschine. 

Doch man stelle sich vor, wie es früher war: Bei Wind und Wetter musste draußen der Ofen angeheizt werden. Dann hieß es warten, bis er heiß genug war, Teig kneten und gehen lassen, wieder hinaus, den Teig in den Ofen schieben, die Zeit im Blick behalten und rechtzeitig das gebackene Brot herausnehmen – ein Vorgang, der insgesamt mindestens zwei bis drei Stunden dauerte. Und dann noch das Mehl: Viele Bauern mussten es selbst mit einem Mahlstein mahlen, bevor es überhaupt zu Brotteig verarbeitet werden konnte. 

Die alten Backöfen existieren nicht mehr – doch hier steht noch einer. Eine Nachbildung aus dem Jahr 1984, errichtet von den Bewohnern anlässlich des hundertjährigen Bestehens der damals noch selbstständigen Gemeinde Schoonebeek. Sie lässt längst vergangene Zeiten wieder aufleben, denn an bestimmten Tagen wird in diesem Ofen noch auf traditionelle Weise Brot gebacken.

icon-pin
Karte

EMM044 - Bakhuisjes

7761 PS Schoonebeek
icon-info Details
immer geöffnet
Autor

Int. Naturpark Bourtanger Moor - Veenland
Ordeniederung 1
49716 Meppen