EMM046 - De waterputten van Schoonebeek

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7761 PS Schoonebeek

Naturpark Naturpark Moor/Veenland

Die Wasserbrunnen von Schoonebeek

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kam das (Trink‑)Wasser nicht einfach aus dem Wasserhahn, weshalb viele Einwohner Drenthes einen eigenen Brunnen oder eine Pumpe anlegen mussten. Ein Wasserbrunnen war von großer Bedeutung, da er Trinkwasser für das Vieh lieferte und zum Kochen sowie zum Waschen genutzt wurde. Als bestes Material für einen Brunnen galt der Bentheimer Sandstein. Er war damals zugleich ein Werkstoff, der Wohlstand und Luxus ausstrahlte, und viele Bauern in (Oud‑)Schoonebeek konnten sich dieses Material leisten. Diese Bauern waren im 18. Jahrhundert durch die Zucht von Schlachtvieh für den deutschen und niederländischen Markt zu Wohlstand gekommen. Indem sie den Brunnen an der Vorderseite des Hofes errichteten, zeigten sie ihre Zugehörigkeit zur wohlhabenden Bevölkerung; zugleich lag der Brunnen möglichst nahe an der Küche.

Anfangs grub man lediglich einen Schacht bis zum Grundwasser, vom knapp unter der Geländeoberfläche bis mitunter mehrere Meter tief. In vielen Fällen musste bis zu einer Tiefe von zehn Metern gegraben werden. Bei solch großer Tiefe bestand stets die Gefahr, dass der Brunnen einstürzte. Daher begann man bereits im Mittelalter, die Brunnenwände mit Grassoden, ausgehöhlten Baumstämmen sowie Deckeln oder Böden hölzerner Fässer zu verstärken. Erst später wurden die Schachtwände mit gemauerten Steinen gesichert: mit konisch zulaufenden Ziegeln oder schalenförmig behauenen Stücken aus Bentheimer Sandstein, die zusätzlich mit eisernen Klammern verbunden wurden.

Um das Hochziehen der schweren, mit Wasser gefüllten Eimer zu erleichtern, stellte man neben dem Brunnen einen V‑förmig gegabelten Baum oder Pfosten auf, an dem ein sogenannter Puthaal schwenkbar befestigt war. An der einen Seite hing eine lange Kette oder ein Seil mit einem Eimer, an der anderen Seite ein Gegengewicht, etwa ein Stein.
Der Brunnen diente außerdem zum Kühlen von Milchkanistern (Kühlschränke gab es noch nicht) und im Süden Drenthes auch dazu, die Midwinterhörner feucht zu halten, damit sie ihren Klang behielten. Diese Hörner wurden überwiegend aus Birken‑, Erlen‑ oder Weidenholz gefertigt, wobei die beiden Hälften mit Reifen aus Binsen zusammengebunden waren. Durch das Feuchthalten blieben sie luftdicht, da Binsen und Holz aufquollen.
Vor dem Anlegen eines Brunnens wurde zunächst ein Wünschelrutengänger gerufen, um den besten Standort zu bestimmen. Anschließend mauerte man die Steine Lage für Lage kreisförmig auf und grub an der Unterseite Erde weg. Dadurch senkte sich das Bauwerk allmählich immer tiefer in den Boden. Je tiefer der Brunnen wurde, desto mehr musste derjenige, der darin grub, mit nassen Füßen rechnen. Ob wohl daher die Redewendung „Er sitzt in der Patsche“ stammt?

Da nicht jeder über den Wohlstand verfügte, einen Sandsteinbrunnen zu errichten, behalf man sich bis zur Einführung des Ziegelsteins mit einfachen Konstruktionen aus Brettern und Grassoden.

Als im 17. Jahrhundert die Wasserpumpe nicht mehr nur als Dorfpumpe, sondern auch privat genutzt werden konnte, schafften viele Bauern eine solche an. Das Mauerwerk der Brunnen wurde dann häufig bis zur Geländeoberfläche abgetragen und der Schacht mit einem stabilen Deckel verschlossen. Die Pumpe wurde in der Nähe des Hauses aufgestellt, und das Saugrohr in den Schacht des verschlossenen Brunnens gehängt. Einige Jahre später wurde die Handpumpe sogar im Haus, auf der Diele oder in der Küche, installiert. Nun musste man nicht mehr ständig nach draußen gehen, um Wasser zu holen – besonders im Winter ein wahrer Luxus.

In Schoonebeek, so auch hier im Oosterbos, sind noch authentische Brunnen aus Bentheimer Sandstein zu sehen, teilweise sogar mit hölzernem Puthaal. Die Brunnen im Westerbos und im Middendorp befinden sich in Privatgärten.
Der älteste noch erhaltene Wasserbrunnen steht in Geselaar (Gelderland) und stammt aus dem Jahr 1575.

Informationen zum Bentheimer Sandstein

Die Bentheimer Sandsteinschichten entstanden im Valanginium vor etwa 125 Millionen Jahren, als Sand auf natürliche Weise ins Meer transportiert wurde. Je mehr Kalk zurückblieb, desto härter wurde die jeweilige Gesteinsschicht. Durch verschiedene Erdverschiebungen blieben die härtesten Partien erhalten und lagen schließlich als Hügel in der Landschaft. Da Sandsteinschichten porös sind, bilden sie in der Region Bentheim ein natürliches Reservoir für Wasser; andernorts werden in diesen Schichten auch Erdgas und Erdöl gespeichert.

Der Abbau des Sandsteins begann um 1250 in Gildehaus und wuchs bis 1600 auf insgesamt neun Steinbrüche an. Der größte Steinbruch lag zwischen Schüttorf und Bad Bentheim. Über Jahrhunderte wurde der Sandstein nach den Niederlanden, ins Münsterland und nach Ostfriesland gehandelt. Aufgrund der hohen Transportkosten konnten sich jedoch nur wohlhabende Auftraggeber dieses Material leisten. Der Sandstein wurde mit Pferd und Wagen zu den Steinmaat bei Nordhorn gebracht und von dort per Schiff über die Vechte nach Zwolle transportiert, wo der Weitertransport erfolgte. Wegen dieser hohen Kosten wurden zunächst nur bedeutende Bauwerke aus Bentheimer Sandstein errichtet. Beispiele hierfür sind der Königliche Palast am Dam und die Haarlemmerpoort in Amsterdam, das Rathaus in Zwolle sowie nahezu alle spätmittelalterlichen Kirchen in Twente und Westfalen. Weniger bedeutende Gebäude wurden hingegen häufig aus Holz errichtet und in der Farbe „Bentheim“ gestrichen, was noch heute an einigen Grachtenhäusern in Amsterdam zu sehen ist. Innerhalb von Kirchen wurde Sandstein jedoch schon früh für Taufbecken und Grabsteine verwendet, ebenso für Mühlen als Schleif‑ und Mühlsteine. Später fand das Material auch Verwendung für Bauelemente wie Treppen, Fassadensteine und Wasserbrunnen.

Steinmetze zogen mit ihrer Arbeit durch das Land und hinterließen häufig ihre Steinmetzzeichen auf den bearbeiteten Blöcken. Mit der Erfindung der Dampflokomotive und der damit verbundenen Erleichterung des Transports kamen jedoch andere Natursteinsorten auf den Markt, womit der Handel mit dem „Bentheimer Gold“ zum Erliegen kam. Zudem wurde in den Niederlanden 1951 das sogenannte Sandsteenbesluit erlassen, das aus gesundheitlichen Gründen die Bearbeitung von Sandstein untersagte, da beim Schleifen schädlicher Quarzstaub entsteht, der die Atemwege gefährdet.
Inzwischen wurden Schutzmaßnahmen gegen Lungenschäden durch Silikose entwickelt, und seit 2005 wird Bentheimer Sandstein in den Niederlanden wieder für Restaurierungsarbeiten eingesetzt, etwa an der Sint‑Janskathedraal in ’s‑Hertogenbosch.
 

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