EMM047 - Paar van Weerdinge

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7831 AB Nieuw-Weerdinge

Naturpark Naturpark Moor/Veenland

Das Paar von Weerdinge

Als der Torfstecher Hilbrand Gringhuis am 19. Juni 1904 im Weerdinger Moor seiner Arbeit nachging, konnte er nicht ahnen, was ihn an diesem Tag erwartete. Am heutigen Weerdingerkanaal NZ 48–50 in Nieuw‑Weerdinge stieß er auf zwei mumifizierte Leichname. Durch den sauren Moorboden waren die Knochen weitgehend vergangen, einige Organe jedoch noch erhalten.

Herr Landweer, Mitglied der Sammlung des Provinzialmuseums für Altertümer in Assen (heute, 2023, das Drents Museum), erfuhr von dem Fund und reiste umgehend zur Fundstelle. Er untersuchte und fotografierte die Leichname. Da die Haut noch sehr geschmeidig und elastisch war, wurden die beiden Körper aufeinandergelegt und anschließend zusammengerollt. Danach brachte man sie in einer Kiste aus dem Moor zum Leichenhaus in Nieuw‑Weerdinge, um sie weiter zu untersuchen; später wurden sie im Museum ausgestellt.

Da das Geschlecht der Leichname zunächst nicht eindeutig bestimmbar war und sie in einer sehr intimen Lage gefunden wurden, ging man lange Zeit davon aus, dass es sich um einen Mann und eine Frau handelte. An der Fundstelle wurden weder Werkzeuge noch Kleidung oder andere Gegenstände entdeckt. So bezeichnete man die beiden als „das Ehepaar von Weerdinge“ oder auch als „Herr und Frau Veenstra“.

Die Leichname lagen auf dem Rücken im Moor, wobei der linke Körper auf dem ausgestreckten Arm des rechten lag. Man nahm an, dass es sich bei der linken Person um eine Frau handelte, da der Körperbau kleiner war und äußerliche Genitalien fehlten; zudem zeigte sich eine dreieckige Abweichung im Genitalbereich. Diese Annahme hielt sich bis 1988. In diesem Jahr wurden bei weiterführenden Untersuchungen bei beiden Leichnamen Bartstoppeln im Gesicht festgestellt. Zudem fehlten bei beiden Brustausprägungen. Mithilfe einer DNA‑Analyse konnte schließlich festgestellt werden, dass es sich bei beiden Leichnamen um Männer handelte. Leider war die DNA nicht ausreichend erhalten, um zu klären, ob die beiden Männer miteinander verwandt waren.
Unmittelbar nach der Bergung wurde die Körpergröße des rechten Mannes mit 175 cm gemessen. Nach dem Trocknungsprozess misst die geschrumpfte Hauthülle nur noch 134 cm. Vom linken Mann sind nach dem Trocknen nur noch 126 cm der ursprünglichen 169 cm erhalten.

Der Kopf des linken Mannes ist größtenteils verschwunden. Glatte Schnittkanten an den Resten der Kopfhaut und an den Haaren deuten darauf hin, dass Teile nach der Bergung abgeschnitten und entfernt wurden.

Der Kopf des rechten Mannes ist hingegen weitgehend erhalten, einschließlich einer losen Haarsträhne. An den Überresten ist zu erkennen, dass er einen Stoppelbart trug. Zudem befindet sich ein großes Loch im Brustkorb, aus dem Därme herausragen. Diese können jedoch nicht aus dem Körper dieses Mannes stammen, sondern höchstwahrscheinlich aus dem aufgerissenen Bauch des linken Mannes. Vermutlich wurden sie nach der Bergung versehentlich in die klaffende Wunde des rechten Mannes gelegt.

Der Genitalbereich des rechten Mannes weist eine deutliche Beschädigung auf, die – nach Art der Wundränder zu urteilen – erst nach der Auffindung entstanden ist, jedoch nicht durch das Torfstechen. Es wird angenommen, dass Besucher der Moorleichen an der Fundstelle (noch bevor Landweer eintraf) Körperteile entfernt und mitgenommen haben, wie es auch beim „Mädchen von Yde“ geschehen ist. Zudem erwähnt Landweer in seinem Bericht an das Museum, dass er für seine Fotografie die Armhaltung des linken Moorleichnams verändert habe, um das Bild für das Publikum weniger anstößig erscheinen zu lassen. Aufgrund einer Verfärbung am rechten Mann vermutet man, dass die linke Hand des linken Mannes ursprünglich auf den Genitalien des rechten Mannes ruhte. Ein Zitat aus einem Brief Landweers lautet:

„Wie Sie sehen können, ist das Foto gut gelungen. Die männlichen Geschlechtsorgane hätten viel deutlicher sichtbar sein können, aber auf diese Weise wirkt das Bild weniger delikat. So kann man es auch allen jungen Mädchen zeigen.“
Die Männer von Weerdinge wurden damit auch Opfer der sexuellen Moralvorstellungen des Jahres 1904.

Die Moorschicht, in der die beiden Männer lagen, wurde mithilfe von Pollenanalysen in die späte Eisenzeit beziehungsweise in die römische Kaiserzeit datiert. Radiokohlenstoffdatierungen, die in den 1980er‑Jahren in Oxford durchgeführt wurden, ergaben einen Todeszeitraum zwischen 40 v. Chr. und 50 n. Chr. Neuere Datierungen an jeweils zwei Haut‑ und Haarproben mittels Beschleuniger‑Massenspektrometrie (AMS) bestätigten diese Ergebnisse.

Schnitte und Einstiche, die vor dem Tod zugefügt wurden, weisen auf eine gewaltsame Todesursache der beiden Männer hin. Der römische Schriftsteller Tacitus beschrieb bereits die germanische Todesstrafe:

„Feiglinge, Kriegsunfähige und solche, die ihren Körper entehrt haben, ertränken sie im Sumpf und Moor, nachdem man ein Flechtwerk darüber geworfen hat.“
 

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