EMM049 - Kerkhof Büter, Nieuw-Schoonebeek

icon-pin
7766 AR Nieuw-Schoonebeek

Naturpark Naturpark Moor/Veenland

Friedhof Büter, Nieuw‑Schoonebeek

Gegenüber dem Bauernhof an der Europaweg 219 in Nieuw‑Schoonebeek liegt, mitten in den Ackerflächen und zwischen verschiedenen Feldfrüchten, ein verborgenes kleines Gräberfeld. Aus der Ferne ist lediglich ein ungeordnet wirkendes Wäldchen zu erkennen. Wer jedoch ein Fernglas oder eine Kamera mit Zoomobjektiv benutzt, sieht zwischen den Bäumen eine strahlend weiße Statue stehen: die heilige Bernadette, die dort „wacht“ über die Menschen, die hier noch begraben liegen. Auf diesem Friedhof ruhen die ersten Bewohner des Moorortes Nieuw‑Schoonebeek aus dem 19. Jahrhundert. Dieser sogenannte „Totenacker“ entstand im Jahr 1823, etwa zehn Jahre nach der Gründung von Nieuw‑Schoonebeek.

Es handelte sich überwiegend um Deutsche aus der Umgebung von Meppen, die in die Region kamen, um ihren Lebensunterhalt mit der Torfgewinnung zu verdienen. Da es zu jener Zeit noch keine Kirche gab, wurden die Verstorbenen nach Twist gebracht, um dort an der Kirche Hesepertwist bestattet zu werden. Das damalige Königreich Hannover war damit jedoch nicht einverstanden und änderte 1830 die Gesetzgebung, sodass eine feste Grenze zwischen Deutschland und Ost‑Drenthe gezogen wurde. In der Folge konnten die Einwohner von Nieuw‑Schoonebeek ihre Toten nicht mehr in Twist beerdigen. Zudem war die Verbindung zwischen Nieuw‑Schoonebeek und Twist sehr schlecht. Die Bewohner setzten sich für eine neue, kürzere Verbindung entlang des Schoonebeekerdiep ein, was jedoch von deutscher Seite abgelehnt wurde. Daraufhin stellten die Nieuw‑Schoonebeeker die Zahlung des Kirchgeldes ein, was zu erheblichen Spannungen führte. Die Frage blieb: Wo sollten die Toten nun bestattet werden?

Der Grundeigentümer Berend Harbers bot schließlich eine Lösung an, indem er ein Stück Land zur Verfügung stellte, auf dem die Einwohner von Nieuw‑Schoonebeek ihre Verstorbenen beerdigen konnten. Da der Friedhof mitten in den Feldern lag, wurde 1840 auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Holzkreuz aufgestellt, an dem der Trauerzug fünf Minuten innehielt und betete. Dieses Kreuz wurde 1849 durch eine steinerne Darstellung des gekreuzigten Jesus ersetzt, versehen mit der Inschrift:
„Wer mein Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nicht folgt, ist meiner nicht würdig.“
Auf der Rückseite sind die Stifter J. B. Borg – A. M. Twenning sowie die Jahreszahl 1849 vermerkt. Dieser Gedenkstein zerbrach 1950 in mehrere Teile und wurde vom damaligen Grundeigentümer entfernt und in dessen Scheune aufbewahrt. 1979 wurde er wieder hervorgeholt, durch das Ministerium für CRM restauriert und an seinem ursprünglichen Platz aufgestellt; die Bruchlinien blieben dabei bewusst sichtbar.

Dieser „Totenacker“ war als Übergangslösung gedacht, da der Bau der Kirche inzwischen voranschritt. Die Gräber wurden lediglich durch Erdhügel aus dem Aushub markiert; Grabsteine wurden nicht gesetzt. Insgesamt fanden hier achtzehn Personen ihre letzte Ruhestätte, bis 1849 Kirche und regulärer Friedhof fertiggestellt waren. Danach geriet der Notfriedhof in Vergessenheit. Weidendes Vieh beschädigte die Ränder mit seinen Hufen, sodass sogar Knochen freigelegt wurden. Im Zuge der Flurbereinigung drohte 1968 sogar die vollständige Beseitigung des Friedhofs. Das schwere Gerät stand bereits bereit, um die Grabhügel buchstäblich einzuebnen. Herr Büter konnte dies verhindern, woraufhin die Stiftung „De Spiker“ aus Schoonebeek mit Unterstützung des Ministeriums für CRM den Friedhof restaurierte. In den folgenden Jahren wurde er jedoch erneut vernachlässigt.
Im Jahr 2016 wurde das kleine Gräberfeld von der historischen Vereinigung Nei‑Schoonebeek mit finanzieller Unterstützung der Rabobank erneut instand gesetzt. Es wurde kräftig zurückgeschnitten und gerodet, ein Zaun errichtet und mehrere schmückende Elemente wie Kaminsteine und hölzerne Kreuze aufgestellt. Auf den Kaminsteinen sind die Namen der ursprünglichen Grundstücksstifter Schwieters‑Borg sowie die Jahreszahl 1885 zu erkennen. Diese Steine kamen bei einem Umbau des Bauernhofs der Familie Büter – der heutigen Eigentümer des Hofes Schwieters‑Borg – hinter dem Kamin zum Vorschein.

Doch wie kam die heilige Bernadette hierher? Diese anmutige Statue aus dem Jahr 1898 wurde in stark vernachlässigtem Zustand an der sogenannten NAM‑Straße gefunden, stammte jedoch ursprünglich vom Friedhof im Zentrum von Nieuw‑Schoonebeek. Als dieser Friedhof vor etwa vierzig Jahren verlegt wurde, entschieden die damaligen Eigentümer Steffens‑Huser, die Statue am Straßenrand nahe einer Scheune aufzustellen. Die historische Vereinigung bat darum, die Figur übernehmen zu dürfen, und ließ sie anschließend restaurieren. Die heilige Bernadette war von Rissen durchzogen, zudem fehlte ein Arm. Nach der Restaurierung wurde sie auf dem Totenacker aufgestellt, wo sie nun die letzte Ruhestätte der ersten Pioniere von Nieuw‑Schoonebeek bewacht.
Der Name „Kerkhof Büter“ entstand, nachdem der Grundstückseigentümer B. H. Schwieters verstorben war und seine Witwe im Mai 1908 Georg Büter aus Lindloh heiratete. Im Jahr 1928 ging der ehemalige Notfriedhof in den Besitz ihres Sohnes Bernardus Hendrikus Büter über, womit der Name Büter dauerhaft mit diesem Friedhof verbunden wurde.

Der Friedhof ist gut erreichbar über den Wanderweg, dessen Hinweisschild sich direkt gegenüber der Europaweg 216 befindet.

icon-pin
Karte

EMM049 - Kerkhof Büter, Nieuw-Schoonebeek

7766 AR Nieuw-Schoonebeek
icon-info Details
immer geöffnet
Autor

Int. Naturpark Bourtanger Moor - Veenland
Ordeniederung 1
49716 Meppen