Bombardierung von Klazienaveen Süd – Purit
Torf war im Ersten Weltkrieg sehr gefragt, aber durch den Wegfall der Kohleimporte kam es im ganzen Land zu Brennstoffengpässen. Dadurch stieg der Preis für Fabrik-Torf wieder erheblich an. Nach dem Krieg ging die Nachfrage nach Fabrik-Torf wieder stark zurück und man suchte nach neuen Absatzmöglichkeiten für den Torf.
Bei der Scholtens Zuckerraffinerie und Sirupfabrik arbeitete damals ein Chemiker namens P. Smit, der Erfahrung mit Aktivkohle gesammelt hatte. Er verwendete diese zur Raffination von Zucker. Im Jahr 1918 entdeckte Smit ein Verfahren zur Herstellung von Aktivkohle aus Torf mit Hilfe von Vertikalöfen, das er in Klazienaveen in der Praxis testen konnte. Im Jahr 1919 wurde von Hermannus Oving (Schwiegersohn von Jan Evert Scholten) eine Fabrik mit Gasöfen zur Herstellung von pflanzlicher Entfärbungskohle gebaut, die Purit-Fabrik. Unabhängig von der Fabrik wurde die N.V. Purit Maatschappij gegründet. Es erwies sich als großer Erfolg. Allerdings stellte sich ohne Wissen der Gesellschaft heraus, dass das Verfahren vom Konkurrenten, der Norit Maatschappij in Amsterdam, patentiert worden war. Alle Anteile der Purit wurden daraufhin an Norit übertragen. Diese bezog viel Schwarzkohle aus der Region Klazienaveen.
Im Zweiten Weltkrieg wollten die Alliierten weiter gegen die Deutschen vorrücken, befürchteten jedoch, dass die deutsche Armee die großen Kohlevorräte der Purit als Treibstoff für ihre Fahrzeuge mitnehmen würde. Spionagedaten zufolge sollen dort zwölftausend Liter Treibstoff gelagert gewesen sein. Im März 1945 flogen mehrere Aufklärungsflugzeuge über die Fabrik, und am Freitagnachmittag, dem 23. März 1945, um 13:30 Uhr wurde die Fabrik bombardiert, woraufhin die Uhr im Maschinenraum stehen blieb. Laut Erzählungen wurden mindestens fünfzig Bomben schweren Kalibers mit einem geschätzten Gewicht von jeweils 250 bis 300 Kilogramm sowie andere Geschosse abgeworfen. Außerdem wurde Phosphor abgeworfen, wodurch zahlreiche Brände ausbrachen. Da diese Bombardierungen unerwartet erfolgten, konnten die Mitarbeiter von Purit nicht rechtzeitig in die Schutzkeller flüchten. Sechs Mitarbeiter starben, von denen einer erst nach fünf Tagen gefunden wurde und zwei später an ihren Verletzungen starben. Sieben wurden schwer verletzt und eine große Anzahl leicht verletzt. Eine unbekannte Anzahl konnte einem grausamen Tod noch entkommen.
Außerdem wurde das mit Torf beladene Schiff „Purit 15” versenkt und sieben weitere Schiffe wurden schwer beschädigt. Das gegenüberliegende Hotel Wierenga und die davor liegende Straßenbahnlinie wurden durch diese Bombardierungen ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht, und auf dem Gelände der E.D.S. stand das dort gelagerte Papier in Flammen. Neben der Purit-Fabrik wurden auch die Wohnhäuser von Herrn Lok und Herrn Löcker getroffen. Auch in den folgenden Tagen war die Fabrik regelmäßig Ziel von Beschuss, und es gab weitere Verletzte. Einige Granaten wurden später wiedergefunden. Sie hatten einen Durchmesser von 30 bis 35 Zentimetern und eine Länge von 65 Zentimetern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik wieder aufgebaut und mehrfach erweitert und modernisiert. Die Purit-Fabrik ist bis heute in Betrieb und das letzte große niederländische Unternehmen, das noch vollständig mit Torf verbunden ist. Heute verarbeitet sie nur noch Torf aus deutschen Mooren und aus weiter entfernten Moorgebieten in Nord-Nordosteuropa. Zuletzt wurde hier 1992 niederländischer Torf verarbeitet.
Das Einzige, was noch an diesen fatalen Tag erinnert, ist das 2010 errichtete Denkmal zum Gedenken an die Opfer des Bombenangriffs.