„Schaurig ist´s übers Moor zu gehen“ – das Moor als mystischer Ort
Das Moor ist weder Land noch Wasser, ein Zwischen- und Durchgangsort zum Reich von Göttern und Dämonen. Deshalb wurde das Moor auch als Opferstätte gebraucht, oft auch für das Wertvollste, das man den Göttern darbringen konnte, das Menschenopfer. Ins Moor wurden zudem Gespenster und sündige, ruhelose Seelen gebannt. Auch galt es als Versteck für allerlei irdisches Gesindel.
Weder den Augen noch den Füßen ist hier recht zu trauen, so scheint´s dem Unkundigen jedenfalls. Überall lauert die Gefahr, ein schaurig schlürfendes und schmatzendes Loch könnte gierig sein glucksendes zahnloses Maul aufsperren, dich packen und festhalten wollen, jenseits aller Hilfe, um dich letztlich vollends zu verschlingen.
Besonders bei Nacht, wenn die Dunkelheit dräut, ist alles Sichere, alle Gewissheit dahin. Tückische, unklare Geräusche scheinbar aus jeder Richtung, von einigen meinst du gar, dass sie aus dem Boden kämen. Nebel steigt auf, bedeckt den Boden wie ein Leichentuch und zieht, sobald ein Wind anhebt, in zerrissenen Fetzen an dir vorbei. Allerwegen scheint es wüst und wirr, drohende, lauernde Schatten regen sich ringsum. Wegsam oder unwegsam, das eine verbirgt sich im anderen. Du begreifst, dass das Moor dich nicht gehen lassen will.
Und lass dich gar keinesfalls von einem Lichtschein locken, der langsam über das Moor wandert. Das ist kein wohlmeinender Moorbauer, der nach dir sucht oder das Licht einer wohligen Behausung. Nein, das ist das Irrlicht, das dich tief ins Moor hineinlockt. Sei nicht so töricht, ihm zu folgen!