Bourtanger Moor, vom Torfabbau zur Renaturierung
Das Bourtanger Moor war noch bis ins 20. Jhd. mit einer Fläche von 1.200 qkm das größte zusammenhängende Hochmoorgebiet Mitteleuropas, das von Lingen bis nach Groningen reichte. Weite Gebiete ragten bis tief in die Niederlande hinein, gewissermaßen folgerichtig ist das Moor nach der niederländischen Festungsstadt Bourtange benannt.
Riesige Flächen dieses Bourtanger Moores blieben noch erstaunlich lange erhalten. Erst in der frühen Bundesrepublik gab vor dem Hintergrund von Versorgungsengpässen infolge des 2. Weltkriegs den vom Bundestag verabschiedeten „Emslandplan“, der die Region wirtschaftlich voranbringen sollte, in erster Linie landwirtschaftlich: Mit riesigen dampf- bzw. motorgetriebenen Pflügen vermischte man die übereinanderliegenden Torf- und Sandschichten des entwässerten Moores und schuf auf diese Weise bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts riesige Ackerflächen, die bis heute eine der wirtschaftlichen Grundlagen der Region bilden.
Darüber hinaus wurden weite Flächen abgetorft, das heißt, der Torf des trockengelegten Moores wurde in industriellem Maßstab gestochen und als Rohstoff, z.B. als Dünger und Bodenverbesserer verkauft.
Doch nur wenig später setzte ein wachsendes Bewusstsein für die weitgehend unumkehrbare Veränderung der Landschaft ein. In den 1980er Jahren wurde in Niedersachsen ein Moorschutzprogramm aufgelegt, das mit seiner Feststellung, dass Moore nicht nur Rohstoffquellen, sondern auch schützenswerte Lebensräume seien, einen entscheidenden Wendepunkt markierte. In der Folgezeit wurde die gewaltige Fläche von 50000 Hektar noch nicht abgetorften Geländes gesichert, was etwas mehr als der Größe des gesamten Bundeslandes Bremen entspricht. Weitere 31000 Hektar wurden nach vollzogenem Torfabbau wiedervernässt und renaturiert – angesichts dessen, dass lebendige Moore wichtige CO2-Speicher darstellen und damit gegen den Klimawandel ankämpfen, ein ganz wichtiger Schritt.
Seit 2006 besteht der grenzübergreifende Naturpark Bourtanger Moor-Veenland. Seine Aufgabe besteht einerseits darin, die Moore als sensible Lebensräume für unterschiedlichste Tier- und Pflanzenarten zu bewahren, andererseits diese einzigartige Landschaft in ihrer Wichtigkeit und Besonderheit zu erklären und sie im Einklang mit dem Naturschutz für die Menschen erlebbar zu machen.