TWI049 - Grenzgeschichte(n)

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Naturpark Moor/Veenland

Grenzsteine und Schmugglergeschichten

Grenzgeschichten sind immer eine zweiseitige Angelegenheit. Betrachtet man das Ganze von hüben oder von drüben, als etwas Trennendes oder als Verbindendes? 
Die hiesige Grenze im Emsland war lange Zeit nichts, was die Gemüter groß bewegte. Die Bewohner dieses Landstrichs hatten ihrem jeweiligen Herrn zu gehorchen, ganz gleich, ob dieser in Amsterdam, oder immer einmal wechselnd in Münster, Hannover oder Berlin saß. Im Moor spielte der Grenzverlauf keinerlei Rolle, weil es hier keine Besitzstände zu verteilen gab. Das änderte sich erst, als das Moor langsam kultiviert wurde. 
Ein erster Schritt dahingehend war das Meppener Grenztraktat von 1824, das den Verlauf der Grenze zum ersten Mal verbindlich festhielt – und zwar gültig bis heute. 
Seit 1866 verlief hier die Landesgrenze zwischen den Niederlanden und dem Staat Preußen, von dem nur 5 Jahre später die Gründung des Deutschen Reiches ausging. Zu dieser Zeit traten grundsätzliche Veränderungen in Kraft, denn nun bekam die Grenze tatsächlich etwas Trennendes – zum Beispiel was die Preise einzelner Waren oder auch die Zollpolitik anging. 

Noch überwand das Moor diesen trennenden Charakter, da sich der Grenzverkehr völlig der Kontrolle entzog. Bis 1888 gab es rund um Hebelermeer nicht einen einzigen Zöllner.  Salz wurde nach Holland geschafft, nach Deutschland ganze Schafherden. Nach der Stationierung der Zöllner sahen die Einheimischen jedoch kaum ein, ihr bisheriges Tun aufzugeben, zumal bei den Moorkolonisten oft bittere Armut herrschte. 

Die Schmuggler kannten sich im Moor viel besser aus und ließen sich auch einiges an Tricks einfallen: Die Schuhe wurden mit Lappen umwickelt, deren Geruchsstoffe die Spürhunde der Zöllner ablenkten. Bienenkörbe wurden so präpariert, dass nur das Flugloch eine kleine Schachtel Bienen enthielt, und beim Viehschmuggel schickte man einen Knecht mit einer schlechten Kuh vorweg, die von der eigentlichen Herde ablenkte.
Um die Arbeit der Zöllner zu erleichtern, kamen 1902 die Behörden überein, den Grenzverlauf mit Steinen zu kennzeichnen. Man musste sich jedoch eine spezielle Architektur einfallen lassen, damit die Markierung nicht im Moor versank. Holzpfähle wurden hinunter bis auf den sandigen Grund gerammt, daran ein Rahmen befestigt, auf den dann das Fundament für den Grenzstein aufgemauert wurde. Etwa alle 1000 m wurde ein solcher Grenzstein ins Moor gepflanzt. Das genügte, denn das Gelände war damals noch weitgehend unbewaldet und gut überschaubar. Noch heute existiert eine ganze Reihe solcher Grenzsteine - an denen mittlerweile jedoch nicht nur der Zahn der Zeit nagt, sondern auch, dass ihre Balkenkonstruktion nicht mehr durch das Moor gehalten und konserviert wird, da es trockengelegt und weitgehend verschwunden ist. 

Jeweils nach den Weltkriegen hat der Schmuggel durchs Moor noch einmal eine kurze Renaissance erlebt. Doch spätestens seit Einführung des europäischen Binnenmarktes 1993 sind die Grenzen kein Hindernis mehr, sondern es ist der Zustand wiederhergestellt, den es vorzeiten jahrhundertelang gegeben hat.  

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Autor

Internationaler Naturpark Bourtanger Moor-Veenland
Ordeniederung 1
D-49716 Meppen

Organisation

Int. Naturpark Bourtanger Moor - Veenland e.V.
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