Dünenbildung und Heidebauernwirtschaft
Wenn man einen Blick über die Landschaft des Emslandes wirft, ist einem oft gar nicht bewusst, wie sehr das, was wir „Natur“ nennen, eigentlich eine Folge menschlichen Eingreifens ist. Und das setzt nicht erst mit den großen technischen Umbrüchen der letzten 200 Jahre ein, sondern schon sehr viel früher.
Vor rund 200.000 Jahren hatten die Gletscher der vorletzten Eiszeit aus Skandinavien sehr viel Sand ins Emsland gebracht. Nachdem das Eis weggeschmolzen war, türmte der Wind diesen Sand zunächst zu Dünen auf. Doch sobald die Temperaturen es zuließen, wanderte langsam wieder Vegetation ein. Wälder entstanden, die mit ihren Wurzeln die Dünen für lange Zeit an Ort und Stelle festhielten. Doch dann veränderten sich die Bedingungen erneut.
Ein zunehmend günstiges Klima ermöglichte es vor 5000 Jahren Bauern und Viehzüchtern im Emsland zu siedeln. Und diese Menschen waren gekommen, um zu bleiben, wie man an den von ihnen errichteten Großstein- oder Megalithgräbern ablesen kann, deren Überreste noch heute vielerorts im Emsland zu finden sind. Für das Anlegen ihrer Äcker und Siedlungsplätze wurden Bäume gerodet. Außerdem wurden Nutztiere in die Wälder getrieben, was für umfassenden Verbiss sorgte, so dass sich der Baumbestand oft nicht mehr verjüngte. Mit der Zeit nahm die Bevölkerung immer mehr zu, was schließlich zu einer deutlichen Reduzierung des natürlichen Waldbestandes führte. Übrigblieben große Heideflächen, auf die die Emsländer große Schafherden schickten, denn anderes Vieh konnte dort nicht mehr weiden. Um aber den kargen Böden weiterhin ihren Ertrag abzuringen, stachen die Bauern in der Heide Plaggen, das heißt, sie stachen nun auch noch die letzte dünne Vegetationsschicht von den Sandböden herunter, um sie als Streu in die Ställe zu geben und später als Dünger auf ihren Feldern auszubringen. Doch auf diese Weise wurden die eiszeitlichen Sanddünen wieder freigelegt. Vom Wind getrieben fingen sie wieder an zu wandern und wurden damit zur Gefahr für Ackerland und Siedlungen. In Schepsdorf bei Lingen ist heute noch erkennbar, wie die alte Dorfkirche von einer Düne halb verschluckt wurde.
1875 stellte Forstdirektor Burckhardt über das Emsland fest: „Wir stehen vor einer Landschaft, welche ein selten trauriges Bild von Entwaldung darstellt. Wo einst große Waldungen ihr stolzes Haupt beugten, Dorf und Flur schützten, Luft und Boden erfrischten, da sehen wir jetzt vielfach nur noch sandige Wüste.“
Da es so nicht weitergehen konnte, wurden Sandbekämpfungsverordnungen erlassen. Die Schafhaltung wurde eingeschränkt, außerdem wurde eine großflächige Aufforstung mit schnellwachsenden Kiefern in Angriff genommen. Auf diese Weise bekam man die letztlich hausgemachten Probleme wieder in den Griff.
Noch heute gibt es rund um die Ems die eine oder andere offene Dünung. Im Unterschied zu früher werden diese aber mittlerweile bewusst offengehalten, und zwar, um dort eine selten gewordene Flora und Fauna zu erhalten.