Dalum-Wietmarscher Moor – die Libelle
Schon immer übten Libellen auf die Menschen eine tiefe Faszination aus. In unterschiedlichen Mythologien spielen sie eine Rolle. Ihr zierliches, buntschillerndes Wesen rückt sie in die Nähe von Elfenwesen. Dichter wie Goethe oder Novalis haben sie besungen, und natürlich Annette von Droste-Hülshoff. Sie beschreibt die Libelle als zierliches Geschöpf beinahe durchsichtig, die Flügel seien bespiegelt von einem wundersamen Glanz, sie tanze ihren seltsam ungelenken, eckigen Tanz über den stillen Wasserflächen, lasse sich nicht fangen, halte keinen Moment still.
So sieht man es ihr auf den ersten Blick gar nicht an, aber die Libelle ist ein echter Predator, ein Raubtier! Für den Menschen ist sie natürlich völlig ungefährlich, auch stechen kann sie nicht.
Sobald sie aus dem Ei geschlüpft ist, wird sie zu einem tüchtigen Jäger innerhalb ihres Habitats. Sie kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht fliegen und lebt weitestgehend unter Wasser. Nachdem sie verschiedene Larvenstadien durchlebt hat, macht sie sich auf den Weg, ein letztes Mal ihre Haut abzustreifen. Dann klettert sie einen Pflanzenstängel hinauf und lässt die Wasseroberfläche hinter sich. Wenn sie dann an der frischen Luft ihre Flügel entfaltet hat und ihr Panzer völlig ausgehärtet ist, beginnt sie zu fliegen und einen Partner für die Paarung zu suchen.
Die Libelle ist übrigens eine passionierte Mückenjägerin. Das bedeutet aber: Nicht nur die Mücke hat etwas davon, wenn sie hier im Moor einen Menschen sticht, sondern die Libelle und das ganze an ihr hängende ökologische Netz gleich mit. Mit diesem tröstlichen Gedanken lässt sich das Jucken des Mückenstichs doch gleich viel besser ertragen, oder?
Libellen sind in den Uferbereichen nahezu jeden natürlichen Süßwasservorkommens zu finden. Doch in den Mooren sind die Lebensbedingungen besonders fordernd, denn das Wasser ist hier meist sauerstoffarm und besonders sauer. Entsprechend sind die Libellen, die diesen extremen Bedingungen angepasst sind, gleichzeitig aber auch von ihnen abhängig. Insofern blicken wir hier auf einen selten gewordenen Lebensraum mit Bewohnern, die unbedingt des Schutzes bedürfen, um sie vor dem Aussterben zu bewahren.
Am Libellenpfad im Dalum-Wietmarscher Moor herrschen für die Libellen besonders günstige Bedingungen. Hier gibt es windgeschützte, sonnige Bereiche, in denen sie sich besonders gerne aufhalten. Und selbst in extrem trockenen Sommern verbleibt immer genügend Wasser, um den Libellen die Fortpflanzung zu ermöglichen. Gleichzeitig ist damit auch der Bestand an Beuteinsekten gesichert, so dass die Libelle ein ideales Jagdgebiet vorfindet. Insofern ist das hiesige Moor für die Libelle gleichsam wie eine behagliche Drei-Zimmer-Wohnung mit Wohn- und Schlafzimmer – und einer gut gefüllten Speisekammer!