Wietmarschen – Das Kloster „Sünte Marienrode“ und der Siebenstern
Der Ursprung des alten Klosters in Wietmarschen ist von Legenden umrankt. Historisch sind seine Anfänge dagegen weit weniger greifbar.
Durchaus schlüssig erscheint die Überlieferung, dass Gräfin Gertrud von Bentheim das Kloster für das Seelenheil ihres verstorbenen Mannes gestiftet hat. Dass eine solche Stiftung nicht ohne Unterstützung des geistlichen Oberherrn der Region vonstattenging, in diesem Falle des Bischofs von Münster, erscheint ebenfalls plausibel. Hinzu tritt noch die Gestalt des Ritters Hugo von Büren, der zusammen mit seinen frommen Gefährten das gottgefällige Werk in die Wege geleitet haben soll. Die Herkunft dieses Ritters weist in die Niederlande, von wo auch die ersten Benediktinermönche nach Wietmarschen kamen. Im Jahr 1152 wird Mönch Hildebrand aus Utrecht zum ersten Vorsteher gewählt. Das Kloster liegt in weitgehend unbebautem Land, „wyt in de Mersch“, wie es Niederdeutsch heißt, wovon sich der Name „Wietmarschen“ herleiten soll.
Etwa ein Jahrhundert lang machen die Mönche die zum Kloster gehörigen Ländereien urbar, dann ziehen sie zurück ins Mutterkloster nach Utrecht. Wietmarschen wird nun zum Nonnenkonvent.
Im 13. Jhd. wird die alte Holzkirche durch einen steinernen romanischen Kirchenbau ersetzt. Das Kloster mit der Bezeichnung „Sünte Marienrode“, was so viel heißt wie die „Rodung zur Heiligen Maria“, erhält vielleicht schon zu dieser Zeit die Muttergottes-Figur, die bald als wundertätig gilt. Sie wird bei Prozessionen mitgeführt und spielt auch als Pilgerziel eine zentrale Rolle. Diese über Jahrhunderte bestehende feste Verankerung im geistlichen Leben der Region lässt das Kloster auch die Reformationszeit weitgehend unbeschadet überstehen.
Im Jahr 1578 wird das umliegende Klosterareal teilweise neugestaltet. Es wird ein sternartig auseinanderstrebendes Wegnetz geschaffen, das ursprünglich sieben Strahlen bzw. Wege umfasst. Die Art der Gestaltung erinnert in seiner Formensprache an einen Barockgarten. Warum es aber gerade sieben Wege sein mussten, weiß der Volksmund ganz genau: Es sollen nämlich seinerzeit „7 Jungfern“ im Kloster gelebt haben, die jeweils ihren eigenen Weg bekamen.
Die Zeiten sind längst über die alte Klosteranlage hinweggegangen, dennoch steht die Stiftskirche nach einer ganzen Reihe von Umbauten und Erweiterungen noch immer mitten im Ort. Ebenso kann dort noch immer die alte Marienfigur bestaunt werden, die heutzutage wieder zum Zentrum einer Wallfahrt geworden ist. Jeweils am Sonntag vor Himmelfahrt zieht es alljährlich um die 2000 Wallfahrer zur Familienwallfahrt samt buntem Programm nach Wietmarschen und seinem Siebenstern.